Werdet Mundräuber!

von Stephanie_Danner | 15.05.2014 | obst , ernten , früchte , frucht , mundraub | 0 Kommentare | Bewertung: 1 Bewertungen

Apfelbaum

Apfelbaum

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Als Mundräuber werden Personen bezeichnet, die frei zugängliche Pflanzen melden und pflegen und ihre Früchte geniessen. Auf der Plattform mundraub.org können sie sich auf ganz grossartige Weise vernetzen.

Für alle, die gerade pleite sind und trotzdem frisches Obst wollen. Für alle, die grade keinen offenen Supermarkt in der Nähe haben. Für alle, die der Freeganer-Bewegung angehören. Für alle, die Gemeingut mehr schätzen als Privateigentum. Für alle Frutarier, die selbst keinen Garten oder darin schon alles aufgesammelt haben. Für alle, die eine saisonale, regionale Ernährung bevorzugen. Für alle, die Sortenvielfalt schätzen und auf willkürliche Normen pfeifen. Für alle, die das ganze Obst aus dem eigenen Garten gar nicht selber essen können. Und überhaupt...für alle die noch nichts davon wissen! Und zwar von dem grossartigen Projekt Mundraub.org.

Die Idee hinter Mundraub.org klingt zunächst eigentlich recht einfach. Die Gründer beschlossen, eine Plattform zu erschaffen, auf der „herrenlose“ oder freigegebene Obstbäume, Nussgewächse, Kräuter, und Beeren von Besuchern der Website eingetragen und so deren Standort und der Zugang zu kostenlosen frischen Obst mit anderen geteilt werden können. Die Vielfalt an Argumenten, die hinter diesem Projekt stehen, sind viel weniger simpel, aber umso erfreulicher. Zum einen wollen die Initiatoren die regionale Sortenvielfalt wieder mehr in die Wahrnehmung des vom limitierten Supermarktangebot erzogenen Konsumenten zu rücken. Unter der Herrschaft eines überall gleichen, EU-genormten Angebotes geraten zahlreiche Sorten in Vergessenheit, was jeder, der schon einmal den Begriff Biodiversität in den Mund genommen hat, wenig erfreulich finden dürfte. Regionales Obst, dass sonst unter Umständen gar nicht genossen werden würde, soll den Menschen wieder zugänglich und überhaupt erst wieder sichtbar gemacht werden. Tatsächlich gibt es gerade in Deutschland viel mehr Obst als gegessen wird. Die Plattform will regionales Denken und damit einen viel bewussteren Umgang mit Ressourcen fördern. Darüber hinaus bietet Mundraub.org Anregungen und Tipps zur Pflege und Nachpflanzung von Obstbäumen – ganz nach dem Motto: Nimm was du brauchst, aber gib auch etwas zurück! Das nötige Know-How haben die Mundräuber zum Beispiel in einem wunderbar informativen Handbuch zusammengefasst. Ausserdem sollen verschiedenste  Menschen über die Plattform miteinander in Kontakt kommen. Egal welchen Alters oder welcher Hintergrund – über ihr Engagement und ihre gemeinsame Begeisterung für eine Idee sollen Menschen miteinander in Verbindung kommen.

Also....Viele ganz grossartige Gründe um mitzumachen und selbst Mundräuber zu werden! Damit das Ganze auch langfristig funktioniert und nicht jeder einfach den Obstbaum seines unfreundlichen Nachbarn zum Abschuss freigibt, gibt es die ganz einfache und eigentlich völlig logische Mundräuber Regeln... Zuerst mal muss man sich registrieren, wenn man selbst neue Standorte eintragen will. Die Plattform lebt von einem verantwortungs- und respektvollen Umgang mit der Natur und den kulturellen wie privatrechtlichen Gegebenheiten einer Region. Deshalb ist es unabdingbar, dass jeder, der einen Standort teilt bzw. sich auf zur Ernte macht, sicherstellt, dass keine Eigentumsrechte verletzt werden. Zwingend für ein Gelingen dieses Projekts ist auch ein verantwortungsbewusster, behutsamer Umgang mit den Bäumen, der umgebenden Natur und den im Gebiet lebenden Tieren. Und natürlich sollten die Früchte geteilt, es sollte was zurückgegeben werden – was auch bedeutet sich bei der Pflege und Nachpflanzung zu engagieren.

Also liebe Leute, es gibt keinen, aber auch gar keinen Grund, dass nicht grossartig und lohnenswert und überhaupt ganz und gar unterstützenswert zu finden. Macht die Augen auf, teilt eure Entdeckungen, zieht euch frisches, regionales Obst rein – werdet Mundräuber!!!!! 

(Für alle Bemitleidenswerten, die nicht in Deutschland leben und damit nicht von der Plattform  profitieren können, gibt es ähnliche, teils internationale Projekte wie beispielsweise fallingfruit.org)

Photo credit: botterliCreative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0)


Stephanie_Danner
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