Warum mit dem Dubai Miracle Garden etwas nicht stimmt...

von Stephanie_Danner | 27.02.2014 | garten , design , miracle , dubai , garden | 0 Kommentare | Bewertung: 8 Bewertungen

dubai miracle garden

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Die Initiatoren und Planer des Dubai Miracle Garden meinten es ursprünglich sicher gut mit ihrem offensichtlichen Ziel: Grösser-Besser-Reizüberflutung

Es ist eine weltweite Epidemie – und anders als bei so mancher Influenzahysterie werden leider kaum Gegenmassnahmen angepriesen...gegen die Manie der Superlative. Wohl nicht nur ich habe schon geschworen: Das nächste Mal, wenn ich beim auf der Couch lümmeln und durchzappen auf einen weiteren Einstundenbericht über den weltgrössten XXL-Semmelknödel stosse (Semmelknödel extrem), dann schmeiss ich den Fernseher aus dem Fenster und schreibe den ersten offiziellen Beschwerdebrief meines Lebens an die Stelle für Rundfunkgebühren! Auch Sotchi macht gerade auf Super-Superlativ...und nicht nur weil ich mit Sportübertragungen wenig am Hut habe, ist mir, gelinde gesagt, sehr unwohl dabei. Auch bei einem überdimensionierten, ja, natürlich Rekorde brechenden Gartenprojekt in Dubai schwappen ähnliche Wellen der Klaustrophobie im Makromaniekosmsos über mich hinweg.

Es ist ja an sich nichts neues, etwas überambitionierte Gartenanlagen zum Anziehungspunkt für Touristen und motivierte Sonntagsausflügler zu erklären – man denke an die Gärten von Versailles. Allerdings, der Miracle Garden in Dubai will viel zu viel und lässt einen deshalb die genaue Definition des Wortes Garten überdenken. Der, der sich hineinwagt findet sich in einer Anlage mit über 45 Millionen, selbstredend blühenden Blumen, überaus gewagten und grellen Farbkombinationen und noch nie gesehenen Rankgerüsten wieder: Gepflanzte Muster, herzförmige Blumenbögen, Installationen in allen Formen und in allen Farben, die der Regenbogen hergibt – Judy totally over the rainbow with starshaped diamonds.

Sollte der Besucher, der sich für 20 Dirham Eintrittspreis (umgerechnet etwa 4 Euro) einen verdienten Verschnaufer in der frischen Luft erhofft hat, dann doch angesichts dieser Überfülle der Ohnmacht nahe sein, dann kann er sich – zum Glück – zur Erste-Hilfe Station retten. Für die Prävention potentieller paranoider Farbschübe unterliegt der Garten natürlich strenger Überwachung. Es gibt Gebetsräume, Geschäfte, Restaurants, VIP-Parkplätze, bestimmte Zonen zum Niedersetzen, bestimmte Zonen zum Ausruhen. Das alles und noch viel, viel mehr erwartet einen in diesem grössten aller Blumengärten auf unserem Planeten.

Natürlich ist eines nicht zu vergessen: Viele Menschen stecken hier tagtäglich viel Kraft und Arbeit hinein und ganz sicher gibt es das eine oder andere Plätzchen in der Anlage, das tatsächlich zum Verweilen und staunendem Innehalten einlädt.  Aber, liebe Leute, ich kann es nicht anders sehen: Es handelt sich nicht um einen Garten oder um ein blühendes Paradies inmitten der Wüste; es ist ein wasserschluckendes Hybrid aus Vergnügungspark, Einkaufszentrum und all-inclusive-Anlage. Die Wege, die man geht, sind vorgezeichnet, die Strecke, die man durchschnittlich zurücklegt wird zum Teil einer Statistik. Das wunderbare Gefühl des in sich Ruhens, die Ausgelassenheit und lustvolle Spontanität, die der Aufenthalt in der frischen Luft, in einem lebendigen Garten erzeugen können sind in der straffen Infrastruktur und dem Überangebot an künstlicher Botanik des Dubai Miracle Garden wohl schwer zu erreichen.

Also....liebe ambitionierte Miracle-Garden-Gärtner: Es tut mir leid. Ich bleibe eine erklärte Gegnerin der XXL-Extrem-Weltrekord-Bewegung und geniesse die überraschenden Wildheiten und Unvorhersehbarkeiten meines Mikrogärtneruniversums.


Stephanie_Danner
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