Sonnentau goes vegan – Wir sind die Bewegung!

von Stephanie_Danner | 21.02.2014 | pflanze , fleischfressende , vegetarisch , vegan | 0 Kommentare | Bewertung: 4 Bewertungen

fleischfressende Pflanze

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Warum fleischfressende Pflanzen sich der Vegan-Bewegung anschliessen – und das lieber bleiben lassen sollten.

Es kann kaum verleugnet werden, dass seit einiger Zeit an vielen Orten unserer Welt eine bestimmte Bewegung stattfindet. Die Menschen werden sich ihrem eigenen Vermögen etwas zu verändern wieder mehr bewusst. Innerhalb von klar repressiven Strukturen lässt die Zivilbevölkerung ihre  Stimme laut werden, es wird demonstriert, occupied, vernetzt - so mutig und laut NEIN gesagt, dass das Echo auch für den Rest der Welt hörbar wird. Auch in offenkundig politisch gemässigteren Zonen schärft sich das Bewusstsein für den eigenen Handlungsspielraum – wobei in diesen Gefilden das Handeln oft untrennbar mit Konsum oder eben Nicht-Konsum verbunden ist (eine andere Baustelle). 

Es verwundert also nicht, dass Vegetarismus und Veganismus immer salonfähiger werden. In den Buchhandlungen finden sich tatsächlich schon eigene Abteilungen. Kleine hoffnungsfrohe Aufkleber auf Regalen, die verkünden: Es gibt hier mehr als nur ein Kochbuch für Veganer! Doch selbst ich, die ich mich als Teil dieser hoffentlich sinnvollen Bewegung verstehe (ja, ich bin eine von denen), war äusserst erstaunt über das Ergebnis einer Studie, das in etwa besagt: Wenn fleischfressende Pflanzen nicht unbedingt müssen, dann können sie auch ohne Fleischkonsum.  Wird meine Venusfliegenfalle jetzt auch vegan?

Natürlich ist dies eine recht vereinfachte Version... tatsächlich haben Forscher entdeckt, dass fleischfressende Pflanzen in schwedischen, regenreichen Sumpfgebieten mit erhöhter Stickstoffbelastung wesentlich weniger Insekten fangen. Der rundblättrige Sonnentau (Drosera Rotundifolia) wächst vorwiegend in regengespeisten Sümpfen in Nordeuropa und damit in sehr nährstoffarmen Regionen. Man geht davon aus, dass der Sonnentau und seine Genossen eigene Strategien entwickeln mussten, um das Überleben in den unwirtlichen Landschaften zu sichern und deshalb – in einem langen Prozess – zu Fleischfressern wurden. Können die Wurzeln nun durch den Regen genug Stickstoff aufnehmen reduziert die Pflanze ihren Fleischkonsum radikal. 

Eigentlich auf den ersten Blick eine nette Vorstellung in unser aller idealistischem Pflanzenfresser-neocortex... Aber, wie auch beim neuen Sound der Zivilbevölkerungsstimme leider eine Frage von schlechter Ursache und empörter Wirkung. Denn die erhöhte Stickstoffbelastung rührt natürlich von so grossartigen menschlichen Beschäftigungen wie der Verheizung fossiler Brennstoffe für Transport und Industrie her. Mit der verstärkten Stickstoffkonzentration im Regenwasser wird das Ökosystem, dass sich über einen sehr langen Zeitraum den Gegebenheiten angepasst hat, massiv gestört. So prophezeien die Forscher auch nichts gutes für den Sonnentau in den schwedischen Sümpfen. Während sich einzelne Neoveganer zu grösseren und stärkeren Pflanzen entwickeln, sieht es für die Gesamtpopulation der Ex-carnivoren, die insgesamt auf eine stickstoffärmere Umgebung eingestellt ist, eher schlecht aus. Ergo: Eigentlich keine guten Nachrichten!

Und leider sagt uns diese gemeine, jeden Veganeroptimismus zerstörende Studie auch nichts gutes über die potentiellen neuen Essgewohnheiten unserer geliebte Venusfliegenfalle Stupsi... wer sich also als Veganer oder Vegetarier keine stickstoffreichen Regenfälle ins Wohnzimmer holen will und auch den Anblick der hinterlistig überrumpelten Insekten in den klebrigen Fängen nicht erträgt, dem rate ich entweder davon ab, sich eine Stupsi ins Haus zu holen oder er sollte, wenn bereits eine vorhanden ist, an eine Abgabe an einen zuverlässigen omnivoren Freund nachdenken.


Stephanie_Danner
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