Pflanze der Woche: Die Schachbrettblume (Fritillaria meleagris) aka Schachblume oder Kiebitzei

von Stephanie_Danner | 05.05.2014 | schachblume , kiebitzei , fritillaria meleagris , schachbrettblume | 0 Kommentare | Bewertung: 1 Bewertungen

Fritillaria meleagris

Fritillaria meleagris

Fritillaria meleagris

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Nordic Walking, weisse Kaninchen und Perlhühner. Es kann wie ein ganz normaler Tag beginnen...

Sie sind wieder unterwegs...Fleecewesten in allen Varianten, in den schönsten Kombinationen mit Nordic-Walking-Stöcken und alles mit dynamischen Rallyestreifen aufeinander abgestimmt. Zappelige Spaziergänger im ganzen Land haben sich aus ihren Winterkokons geschält und bewuseln sämtliche Naherholungsgebiete, die google maps nur hergibt. Und, wie könnte es anders sein... Als selbstbewusster Pflanzenfreund gehört man auch dazu. Vielleicht etwas besser getarnt; mit Jeans, Chucks und gepflegtem Vintagetohuwabohu um den Leib - aber im Prinzip aus dem selben Ei geschlüpft. Wer sich also, in besagt unauffälliger Manier, aufmacht um die frische Luft ins eigene System zu schleusen, der sei auf alles vorbereitet. So kann es passieren, dass man auf eine kleine seltene Blüte stösst, deren Muster unausweichlich den Verdacht nahelegt, dass man irgendwann nach dem letzten Glas Wein am vorherigen Abend den Kaninchenbau hinuntergerutscht und im Vorgarten des Märzhasen gelandet ist. Jedoch, liebe Zu-Fuss-Geh-Fetischisten, solange ihr nicht im Vorfeld eine längere Unterhaltung mit einem weissen Kaninchen hattet oder von einem verrückten Männchen mit Hut zum Tee eingeladen wurdet, ist alles in bester Ordnung. 

Tatsächlich könnt ihr euch sogar glücklich schätzen, denn wenn ihr plötzlich ein Schachbrettmuster auf einer Blüte seht, dann habt ihr keinen gewaltigen Dachschaden entwickelt, sondern ein Exemplar unserer Pflanze der Woche, der mittlerweile sehr seltenen Schachbrettblume entdeckt. Die glockenförmigen Blüten dieser mehrjährigen Pflanzenart aus der Familie der Liliengewächse erblühen zwischen April und Mai in Farbvarianten von Purpur bis Grün in Verbindung mit Weiss. Fritillaria meleagris f. alba ist eine Sorte mit komplett weissen Blüten, bei der das Muster nur bei genauem Hinsehen in verschiedenen Weisstönen zu erkennen ist. Meleagris bedeutet Perlhuhn und verweist damit auf das Muster, das Blütenblätter und Perlhuhngefieder quasi gemeinsam haben. Die Schachblume braucht einen feuchten Untergrund und ist so auf wechselfeuchten bis dauerfeuchten Böden, also am ehesten auf Feuchtwiesen, an Gewässerrändern und Bachläufen zu finden. 

Wen es beim Anblick der ungewöhnlichen Blüte in den Fingern juckt, der sollte aus zwei Gründen seine neugierigen Patschhändchen ganz schnell in die Jackentasche stecken oder damit seine Walkingstöcke umklammern. Denn zum einen ist die Schachblume in allen Teilen giftig – der höchste Giftanteil ist zwar in der Zwiebel vorhanden, doch sind auch die oberirdisch wachsenden Teile nicht zu unterschätzen. Zum anderen steht die Pflanze, die vielerorts bereits vom Aussterben bedroht ist, unter Naturschutz. Diesen Umstand verdankt sie hauptsächlich der Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume wie Feucht- und Nasswiesen oder Auwäldern und einem Übermass an Nährstoffanreicherung durch Düngemittel. 

Allerdings kann man das entzückend surreale Pflanzerl durchaus in den eigenen Garten bringen (hierbei muss man natürlich wegen des Giftes gut auf allesfressende Kinder- und Haustierscharen aufpassen!). Gerade weil sie zu den aussterbenden Blumensorten gehört, ist ein solches Vorhaben äusserst löblich. Die Schachblume muss dabei, am besten im August, relativ zügig eingesetzt werden, da sie in der Luft schnell austrocknet. Die Pflanze braucht einen sonnigen bis höchstens halbschattigen Standort und natürlich einen gut durchlässigen, feuchten und nährstoffhaltigen Boden. Ein guter Platz ist zum Beispiel ein Steingarten oder ein nicht allzu schattiger Standort unter Gehölzen. Fühlt sich die Pflanze einmal wohl, dann braucht sie keine besondere Pflege mehr. 

Wenn also Hund, Kind, Billiardtisch und Goldfisch geschützt sind, dann gibt es keinen Grund, sich nicht ein bisschen Wunderland in den eigenen Garten zu holen.


Stephanie_Danner
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