Pflanze der Woche: Chinesische Winterblüte (Chimonanthus praecox)

von Stephanie_Danner | 24.02.2014 | pflanze der woche , chimonanthus praecox , chinesische winterblüte | 0 Kommentare | Bewertung: 4 Bewertungen

Chimonanthus praecox

Chimonanthus praecox

Chimonanthus praecox

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Zugegeben, es gibt genügend Vanille- und Veilchenduftvariationen bei denen man einfach nur weglaufen möchte. Die Verantwortung für zahlreiche traumatisierte Geruchssinne kann die Duftindustrie nicht leugnen. Ein winterharter Zierstrauch kann jedoch unsere empfindlichen Sinnesorgane dem Dufterlebnis gegenüber wieder milde stimmen: Unsere Pflanze der Woche, die chinesische Winterblüte.

Die unglaublich penetrante Vanilleduftkerze, die die betagte Nachbarin immer anzündet. Das übersüssliche Parfum der Arbeitskollegin – eher ein Mistral als ein Hauch von Veilchen. Diverse Raumdüfte. Und – wohl die abartigste und am wenigsten nachvollziehbare Variante dieser kleinen Aufzählung: Der Vanille-Wunderbaum fürs Auto. Irgendwann mal, so mein Gefühl, wurden solche Chemieduftimitate derart gehypt und allgegenwärtig (muss wohl in den 90er Jahren gewesen sein), dass ich nicht mal mehr Vanilleeis essen wollte, und schon beim Gedanken an so manches Blumenbouquet Kopfschmerzen bekam.

Doch, es gibt Momente im Leben, die einen jäh und unverhofft mit den kleinen Läsionen der Vergangenheit versöhnen. Eine perfekte Friedensstifterin ist in diesem Fall die chinesische Winterblüte (auch Chimonanthus praecox, Wintersweet oder Japanese allspice). Ihr schwerer, aber sehr angenehmer Duft erinnert unter anderem an Vanille, Veilchen und Narzissen und lässt einen, mit ganz viel Glück, schon mal bei einem Winterspaziergang erstaunt innehalten.

Kein Wunder – die chinesische Winterblüte, ursprünglich ein Strauch aus den Bergwäldern Chinas, gehört zur recht überschaubaren Familie der Gewürzstrauchgewächse. Die aussen cremeweissen bis hellgelben und innen purpurnen Blüten des sommergrünen Strauches erblühen je nach Witterung von Dezember bis März. Dabei kann es bei mehreren milden Wetterphasen auch zu wiederholten Blütenschüben kommen. Die Winterblüte kommt mit Temperaturen bis -18°C zurecht, muss in unseren Breitengraden aber durchaus gut geschützt platziert werden. Es gilt jedoch, je älter die Pflanze, desto frostresistenter ist sie. Sie braucht einen nährstoffreichen Boden und bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Platz. Während der Strauch in China mehrere Meter hoch werden kann, erreicht er in unseren Gärten zwei, höchstens drei Meter. Wer jetzt darüber nachdenkt, sich diese Sinnesfreude in den eigenen Garten zu holen sollte sich auch mit den verschiedenen Sorten auseinandersetzen. So zeichnet sich die Sorte Chimonanthus praecox ‚Luteus‘ durch komplett gelbe Blüten aus, während die Sorte Chimonanthus praecox ‚Grandiflorus‘, wie der Name schon erahnen lässt, besonders grosse Blüten hervorbringt. Beide gelten als krankheitsresistente Sorten.

In der traditionellen chinesischen Medizin werden nicht nur Rinde und Wurzel des Strauches gegen Grippe und Rheuma eingesetzt; auch der Duft wird genutzt – Blüten und  Knospen gelten als Mittel gegen Depressionen und der mit Chimonanthus-Blüten parfümierte Tee verspricht Wohlbefinden. Es gibt also gute Gründe, sich mit diesem Winterling näher zu beschäftigen, nicht zuletzt um dieses Ungetüm von Vanillewunderbaum endlich aus den eigenen Erinnerungen zu löschen und durch ein echtes winterliches Blütenwunder zu ersetzen.

Bildquelle: Bestimmte Rechte vorbehalten von M. Martin Vicente


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