Mosaicultures Internationales Montréal....(Gartenbau-) Kunst kommt von?

von Stephanie_Danner | 21.03.2014 | design , mosaicultures internationales montréal | 0 Kommentare | Bewertung: 1 Bewertungen

Mosaicultures Internationales Montréal

Mosaicultures Internationales Montréal

Mosaicultures Internationales Montréal

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Weiss nicht, was echte Künstler sollen, mit theoretischem Schwulst, Kunst kommt von Können, nicht von Wollen; sonst hiess es Wulst.

Dieses ironisch zugespitzte Zitat wird dem Bühnenautor Ludwig Fulda zugeschrieben ( und auch vielen anderen...die Liste reicht von Nietzsche bis hin zu Beuys). Ein gewisser Wilhelm Kufferath von Kendenich stellte in seinem Buch wiederum klar: Kunst kommt nicht von Können und auch nicht von künden; sondern von kunnan, ursprünglich ein Wort für Kennen, Wissen, Erkennen. Johann Nestroy wird die Erweiterung zugeschrieben Kunst kommt von Können, und wenn man’s kann, ist es keine Kunst. 

Wo immer man sich selbst positioniert - ob man aus Protest nur Wulst produzieren möchte; ob man sich jeder Festlegung des Kunstbegriffes verwehrt; ob man ein leidenschaftlicher l'art pour l'art Bekenner oder auch ein scharfer Kritiker von Kunst als Produzentin von „Schönheit“ ist... Schön ist auf jeden Fall, wenn anhand von tatsächlich Erschaffenem klar wird, dass ach so kluge Aussagen und Positionierungen auch ruhig ignoriert werden können, weil sie im Endeffekt meist verallgemeinern statt vermitteln.

Eine jährlich vom 22.06. - 29.09. stattfindende Ausstellung monumentaler Skulpturen aus der Disziplin der Gartenbaukunst, die Mosaicultures Internationales Montréal, ist ein adäquater Anlass um seine nachgebrabbelten Plattitüden über Bord zu werfen! 2013 stand die Ausstellung im botanischen Garten von Montrèal unter dem Thema Land of Hope

Die mehr als 200 Mitwirkenden aus insgesamt 20 Ländern, die auf diesem Areal über 50 grossartige lebende Skulpturen erschaffen haben, müssen eines sicher: Sie müssen was Können. Von der Planung, über die Konstruktion eines Gerüsts bis hin zum eigentlich Sichtbaren, der Bepflanzung – ja, DAS muss man erstmal können! Und Können ist (nicht nur hier) untrennbar mit Wissen verbunden, denn die Gartenbaukünstler müssen über die Bedürfnisse jeder einzelnen verwendeten Pflanzenart (die Zahl der unterschiedlichen Sorten geht weit in die Tausende) genau Bescheid wissen, schon alleine um die Werke über mehrere Monate „am leben“ halten zu können. 

Wie der Titel der Ausstellung schon suggeriert, steht hinter dem Gesamtkonzept auch ein grosses Wollen und Künden-Wollen. Den Initiatoren und Kunstschaffenden geht es darum, über Biodiversität zu „sprechen“, über eine positive Produktivität im Einvernehmen mit den Ressourcen und der Umgebung. Die gesamte Ausstellung steht unter dem Zeichen nachhaltiger Prozesse und Arbeitspraxen und will inhaltlich wie organisatorisch vor allem das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Erhaltung von Vielheit und Vielfalt an Leben auf unserem Planeten schärfen. Die Skulpturen, stehen trotz ihrer Künstlichkeit in keinem Widerspruch zu diesem Gedanken. Trotz ihrer teilweise überwältigenden Wirkung wirken sie nicht fehl am Platz, ja, fügen sich fast bescheiden in ihre Umgebung ein und schreien keine Übermacht über die Landschaft hinaus. Und die Bescheidenheit noch weiter geht. Die Künstler wollen hier auch nicht „Kunsti-Hip“ sein, wollen keinen elitären Markt bedienen und lassen damit auch den nötigen Raum für ein wohl wunderbar bedächtiges Lustwandeln zwischen Hoffnung und Staunen. 

Wer also die Gelegenheit hat, sich diese Ausstellung irgendwann mal anzusehen, soll das unbedingt, unbedingt machen und darf sich nachher zurecht denken: Fulda; Nestroy und Beuys...ihr hattet alle recht und keiner von euch!


Stephanie_Danner
Geschrieben von Stephanie_Danner
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