Mein erstes Haus, mein erster Garten. Traum, Wirklichkeit und Universaldünger.

von Stephanie_Danner | 06.02.2014 | 0 Kommentare | Bewertung: 2 Bewertungen

neuer Garten

neuer Garten

ein neuer (alter) Garten

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Du hast einen eigenen Garten? Oder träumst davon, einen zu besitzen? Beides endet schnell in einer Obsession. Und das finden wir gut.

Vor einiger Zeit musste ich feststellen, dass ich eine Obsession entwickelt hatte. Im Zuge einer nervenaufreibenden Wohnungssuche verbrachte ich viele Stunden auf diversen Immobilienseiten. Eines Tages entschied ich, mir - aus nackter Angst und reiner Neugier - ein paar Anzeigen für Häuser anzusehen. Was dann geschah hatte ich nicht kommen sehen. Ich fand es unheimlich entspannend Foto für Foto in das Immobilienäquivalent eines luziden Traums einzutauchen... In einem rauschähnlichem Zustand klickte ich mich durch ein unbezahlbares Anwesen nach dem anderen. Das wäre meine Bibliothek und dies mein Billiardzimmer und natürlich – oh my Zarathustra – das wäre MEIN Garten. Long story short: Eine Wohnung hat sich gefunden, das schrullige Hobby des virtuellen Immobilienvoyeurismus samt dem Wunsch nach einem eigenen Haus (MIT GARTEN!) ist geblieben. Ich möchte an dieser Stelle weiteren Auswüchsen dieser Träumerei durch ein Gedankenexperiment mit sachlichem Unterton Einhalt gebieten, Infotainmentkopfkino gegen die Besessenheit also.

Ich nehme also an, ich besitze wirklich meinen ersten eigenen Garten...was kommt dann? Wo und wie zur grünen Hölle fange ich an?

  1. Durchatmen

Zuerst mal...Keine imaginierte Panik im imaginierten Garten! Wenn mich anfangs das sonstige Leben und Streben schon genug fordert, dann ist der Garten auch mit ein bisschen Universaldünger jedes Frühjahr ganz zufrieden und kann ein paar Saisonen ohne grosse Hingabe auskommen. Und sowieso: Im ersten Jahr gebe ich mir selbst genug Zeit meinen Garten kennenzulernen. Wenn ich Glück habe, dann gibt mir der Vorbesitzer eine Liste der vorhandenen Pflanzen oder sogar – sehr gutes Gartenkarma – einen kompletten Gartenplan. Dann bemühe ich mich herauszufinden, mit wem  ich es pflanzentechnisch in Zukunft zu tun habe. Was da wächst und klettert und rankt richtig bestimmen zu können ist essentiell für die weitere Pflege meines Gartens.

Doch auch wenn der Vorbesitzer seinem Gartenkarma irreversibel geschadet und keine Hinweise weitergegeben hat – wenn ich ein paar wichtige Punkte beachte, sind ich und mein Garten auf dem besten Weg zu einer harmonischen Koexistenz.

  1. Bäume, Sträucher und Hecken

Bäume und Sträucher, die im Winter erbärmlich kahl und nichttssagend sind, können im Frühjahr prächtige Überraschungen für mich bereithalten. Vor allem Ziergehölz kann mich damit verblüffen, wie wenig Arbeit es mir macht – ein bisschen Langzeitdünger alle paar Jahre und eine schöne anspruchslose Beziehung kann erblühen. Stellt sich heraus, dass ich Besitzerin eines Obstgartens bin – wunderbar. Die Aussicht auf frische Früchte und den Duft von selbst Eingekochtem werden mich für die Mehrarbeit entschädigen und mich ganz wunderlich werden lassen. Meine Chancen, dass ich beispielsweise Flieder, Hortensien, Rosen, Lorbeerkirsche, Rhododendren, Hartriegelsträucher, Pfreifensträucher oder Azaleen in meinem Garten vorfinde stehen ganz gut.

Jede Baum- und jede Strauchart in meinem Garten hat einen eigenen Rhythmus und muss anders behandelt werden. Ich muss mich also mit den verschieden Schnittbedürfnissen auseinandersetzen.

Und was wäre mein neues Eigentum ohne grüne Grenzen, die meinen neuen Nachbarn zeigen: Was meins ist meins und wenn ich mit meinen Bäumen spreche, dann habt ihr das nicht zu sehen! Deshalb hoffe ich auch auf eine immergrüne Hecke, die auch im Winter die Besitzverhältnisse aufzeigt. Langzeitdünger und ein ordentlicher Schnitt im Frühjahr und zwischen Hoch- und Spätsommer – Heckenpflege done!  

Sollten die Grenzen beim Hauskauf noch nicht klar abgesteckt sein, dann muss ich das selbst klarstellen... Den richtigen Zeitpunkt zum Heckenschneiden muss ich aber sehr bewusst wählen, da es je nach Region bestimmte Regelungen, zum Beispiel zum Schutz von nistenden Vögeln, gibt.

  1. Blumenbeete und Rasen

Ich halte im neuen Garten nach winterharten, mehrjährigen Pflanzen Ausschau und bringe den guten alten Universaldünger zum Einsatz um den zähen Pflänzchen das Leben buchstäblich zu vereinfachen. Außerdem bestimme ich die einzelnen Mitwirkenden des Blumenbeetensembles und entferne immer mal wieder die abgestorbenen Exemplare. Damit wird mein Blumenbeet nicht nur davor bewahrt der Schandfleck der Siedlung zu sein, sondern wird auch mehr Blüten hervorbringen. Wo schöne Blumenbeete blühen, soll sie ein heruntergekommener Rasen nicht verunzieren und so werfe ich regelmäßig meinen neuen Rasenmäher an und verwende Eisendünger.

  1. Pflanzenzwiebeln

Auf dem einen oder anderen Plätzchen werden sich Pflanzenzwiebeln verstecken, die erst ab März/April ihre Identität preisgeben. Sollten sie so zahlreich und wild verteilt sein, dass sie einen Putsch vorbereiten könnten, dann kann ich sie auch einfach unbehelligt lassen bis ich meinen Garten ein bisschen besser kenne und genug Wissen und Ausrüstung für ihre Pflege habe...   

  1. Kletterpflanzen

Auch mit der Persönlichkeit der jeweiligen Kletterpflanzen werde ich mich befassen - ich will ja wissen, was da mein neues Haus hochklettert. Unter den üblichen Verdächtigen finden sich beispielsweise Kletterrose, Efeu, Geißblatt, die kletternde Hydrangea oder Blauregen und natürlich die Mehrwerterzeuger unter ihnen wie Weinranken und Kiwipflanzen. Kletterpflanzen können wunderbare Elemente in meiner Gartengestaltung sein, ich muss aber darauf achten wo genau sie klettern und wo sie Schaden anrichten könnten.

  1. Gartenabfälle

Nachdem die Schnitt- und Pflegearbeit getan ist bleibt noch der, bei mir persönlich unbeliebteste, letzte Teil der Gartenarbeit. Er beginnt immer mit derselben Frage. Wohin mit den Gartenabfällen? Nun, da ich ja noch im Stadium des Imaginierens bin, gibt es verschieden Optionen... Ist mein neuer Garten sehr klein, ist eine normale Biotonne wohl völlig ausreichend. Grössere und sperrige Abfälle kann ich (an dafür vorgesehenen Tagen) verbrennen oder kleinschneiden, über den Sommer trocknen und so zu gutem Brennmaterial für draussen umfunktionieren. Ich werde mir einen Kompost anlegen (übrigens auch eine eigene Kunst des Schichtens!) mit dem ich auch Küchenabfälle im eigenen Garten wieder produktiv machen kann.

Zum Schluss bleibt noch eine Frage zu klären...Was hat diese kleine Imagination nun bezüglich meiner Obsession bewirkt? Den Traum vom eigenen Garten (MIT HAUS!) hat das Gedankenexperiment keineswegs rationalisiert...Ganz im Gegenteil, im Moment liege ich im Geiste nach vollbrachtem Werk mit einem schönem Glas Weisswein in der sommerlichen Abendsonne auf meiner Garten-Chaiselongue und geniesse die Geräusche, Gerüche und Farben, mit denen mein neuer Garten mich entschädigt. Der einzige Unterschied: Der virtuelle Immovoyeurismus ist nicht mehr nötig, weil ich MEINEN Garten jetzt schon viel klarer vor mir sehe.

Bildquelle: Bestimmte Rechte vorbehalten von toddeemel


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