Frankensteins Pflanzenmonster oder leuchtender Wegweiser in die Zukunft?

von Stephanie_Danner | 27.03.2014 | bioglow | 0 Kommentare | Bewertung: 1 Bewertungen

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Genmanipulierte, leuchtende Pflanzen und ihr Für und Wider.

Vor allem in Europa hinterlässt das Adjektiv GENMANIPULIERT meist einen bitteren Nachgeschmack im kultivierten Munde. Nicht nur im Diskurs untereinander, sondern auch in den klaren Regulierungen der EU kommt diese Einstellung zum Ausdruck. Kein Wunder, wenn man die mensch- und naturverachtenden Unverschämtheiten betrachtet, die sich Konzernriesen wie Monsanto herausnehmen oder sich mit dem erschreckenden Rückgang der Sorten- und Artenvielfalt auseinandersetzt. Andererseits wird dieses Urteil aus einer äusserst privilegierten Position heraus gefällt. Den Europa hat doch dieses globale Spielfeld, auf dem Monopolisten regieren und auf Grundnahrung gewettet werden kann miterschaffen - und profitiert auch genug davon. Auf dieser und weiteren Prämissen aufbauend, wird argumentiert, dass es über kurz oder lang unumgänglich sein wird, der Genetik einen wesentlichen Platz im Kampf um die Ernährung der Erdbevölkerung einzuräumen. 

Hinter all diesem ernsthaften Für und Wider stehen jedoch oft auch spielerische Ideen und Anwendungen der Genetik, die etwas äusserst Spannend - Innovatives hervorbringen können. Ob der Schlaf der Vernunft hier tatsächlich wie bei Goya Ungeheuer gebiert kann nur ermessen werden, wenn man diesen Projekte mit offenem und doch kritischem Geist eine Chance gibt und auch das mögliche positive Potential nicht von vornherein ausser acht lässt! Ein solches Projekt wollen wir euch vorstellen. 

Der holländische Künstler, Designer, Konzept- und Umsetzungsvirtuose Daan Roosegaarde von Bioglow arbeitet an Pflanzen, die, unabhängig von anderen Licht- und Energiequellen selbst Licht produzieren.  Erreicht wird dies durch die Manipulation der genetischen Struktur zur Eingliederung von Luciferinen - Stoffe,  die von biolumineszenten Organismen wie etwa Quallen zur Erzeugung von Licht genutzt werden. Roosegaardes Protopflänzchen, ein zunächst relativ unscheinbares Gurkengewächs, dass jedoch im Dunkeln schwach, aber dennoch beeindruckend genug, leuchtet, ist für ihn erst der Anfang - schlicht der erste Beweis für das Funktionieren seiner Technologie. 

Roosegarde, der bekannt dafür ist Ästhetik, Technologie und Nützlichkeit meisterhaft unter einen Hut zu bringen sieht in nicht allzu ferner Zukunft Bäume mit leuchtenden Blättern Strassen und Wege beleuchten. Dieses Bild steht nicht nur für wunderbar magische Szenerien wie in einem urbanen Avataruniversum, sondern auch für die Schonung unserer bereits mehr als genug gebeutelten Ressourcen. 

Von vornherein gegen eine solche Vision spräche schlicht und einfach ein unbedachter Umgang mit solchen Eingriffen. Oft genug schon wurde für die blinde Euphorie über das Neue und das Verbesserte im Nachhinein teuer bezahlt, weil anscheinend kein Schwein an mögliche Konsequenzen gedacht oder geglaubt hat. Menschen wie Roosegarde allerdings haben nicht unbedingt etwas mit profitgeilen Konzernriesen zu tun...sie wollen produktive Innovation und ein respektvolles Verhältnis und Zusammenspiel von Technologie und Natur. Wenn also alle Faktoren gut abgewogen, alle Möglichkeiten durchgespielt sind und genug fachkundige Menschen zu dem Schluss kämen, das Gurkenpflänzchen und die Bäume dürfen, sollen, können leuchten...dann dürften sie das durchaus auch in meinem zu Hause oder in meinem Garten tun. Go with the glow!

Bildquelle: Bioglow


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