Erwin Fichou und die skurrile Leichtigkeit des (Baummensch-) Seins.

von Stephanie_Danner | 11.02.2014 | kunst , bäume , menschen , erwan fichou | 0 Kommentare | Bewertung: 2 Bewertungen

Erwan Fichou

Erwan Fichou

Erwin Fichou und die skurrile Leichtigkeit des (Baummensch-) Seins.

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Der Künstler Erwin Fichou fotografiert Menschen, die in Bäumen stehen – und lässt uns damit in schmunzelnder und angenehmer Ratlosigkeit zurück.

Mal ganz geerdet...Es könnten unser Opa Ernst oder unsere Tante Hannah sein, die da im Baum stehen. Einfach so da rumstehen und uns direkt ansehen oder in eine Ferne, die uns für immer unbekannt bleiben wird. Wären es der Ernst oder die Hannah die da im Baum stehen...wir würden wohl sagen: Jetzt ist es soweit, Mama/Papa/Onkel Heinrich, ruf den Arzt. Alle hätten es kommen sehen, die Geschichte würde über die nächsten 5 Generationen überliefert und ausgeschmückt werden.

Der französische Fotograf Erwin Fichou weiß das skurrile Potenzial der Kombination scheinbarer Trivialitäten (nicht nur) in seiner Serie Miradors wunderbar zu inszenieren und auszuloten. Denn, es kommt durchaus vor, dass Menschen in Bäumen stehen...Kinder klettern hinauf, der Baumschnitt oder die Ernte ist fällig – oder man hat eben einen Opa Ernst, der sie endgültig nicht mehr alle beisammen hat. Doch nimmt Fichou in seiner Arbeit kleine Verschiebungen vor, die über das, was wir als durchaus reale Möglichkeiten in Betracht ziehen, feine Schichten der Verunsicherung legen. In Mexiko City arbeitete er mit den Stadtgärtnern zusammen um ebendiese Ebene der Inszenierung zu verwirklichen. Diese Helfer gaben den Baumkronen ihre sonderbaren neuen Formen und Fichou lud jeden der es wollte, dazu ein, hinaufzusteigen und Teil des Sujets zu werden. Die Körperhaltungen der Mitwirkenden erscheinen dabei nicht besonders gekünstelt oder angestrengt und doch irritierend, weil ohne jeden ersichtlichen Zweck.

Die Bilder hinterlassen den Betrachter ohne jeden Kontext, ohne jeden Verweis auf eine Intention hinter ihnen. Sie haben einen angenehmen Anklang von Zufälligkeit und Leichtigkeit in sich. Und genau das ist eine der grossen Stärken der Arbeit. Sie erhebt keinen Anspruch darauf die EINE Geschichte zu erzählen. Sie ist Bescheiden. Und doch hat sie auf vielen Ebenen viel zu erzählen. Geschichten von Opa Ernst und Tante Hannah. Über die unheimlich dünne Grenze zwischen Imaginieren können und Imaginieren wollen. Über die eingebildete Schwere und Last einer Realität auf die man sich doch nur im Laufe der Zeit geeinigt hat. Geschichten von urbanen Wesen in urbanen Bäumen in urbanen Strassen. ODER: Man findet es einfach irre witzig Menschen in Bäumen stehen zu sehen. Und das alles lässt diese Serie, die mit solcher Mühelosigkeit anti-narrativ daherkommt, durchaus zu, ohne es zu wollen und ohne es wollen zu müssen.

Eine lustige, vielschichtige, skurrile, irritierende und interessante Arbeit, die von ihrer fast gewagten Schlichtheit - Mensch auf Baum - lebt.  Chapeau Monsieur Fichou!


Stephanie_Danner
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